20. November 2002

 

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Dr. Yvonne Fritsche
Mitautorin der 13. Shell Jugendstudie

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Zur Situation der "Zielgruppe" Jugend

  

1 Jugend als "Zielgruppe"?!
Jugend wird zum gesellschaftlich knappen Gut
Konkurrenz um die Anteile an der "Torte" wird sich weiter verstärken.
Interesse der Erwachsenen an Jugend wächst. aber Gesprächs-/Studienversuche mit jungen Leuten kaum nennenswert. Definitionsmacht bleibt bei den Erwachsenen
 

2 Globalisierung: als Risiko und Chance erlebt
Subjektivierung: Das Subjekt ist mehr denn je auf sich allein gestellt, wenn es darum geht, Verantwortung für Lebensentscheidungen zu tragen und Weichenstellungen zu beschließen. Fahrstuhleffekt: immer höhere formale Bildung als notwendige, aber nicht mehr hinreichende Voraussetzung für einen gelungenen Erwerbseinstieg.
Laufrad-Dasein fürs Gros: Ressourcen. Freiheitsgrade und damit biografische Optionen sammeln. Run um Zertifikate, Kosten-Nutzen-Erwägungen: nutzbare Ergebnisse nach überschaubarem Aufwand. Lieber mehrere Fremdsprachen oberflächlich als nur eine immer perfekter.
 

3 "0ptimistische Pessimisten" - Nachwende-Euphorie - "Die gesellschaftliche Krise hat die Jugend erreicht" - und nun "Know future" statt "No future": Der Zukunftsoptimismus junger Menschen bildet heute nicht mehr ihren Glauben an gültige persönliche Lebenskonzepte, sondern ihr Zutrauen in die eigene Reaktions- und Gestaltungsfähigkeit im Leben ab. Individuelle persönliche Ressourcen, die subjektiv erlebte Zukunftskompetenz entscheiden heute zunehmend über die objektive biografische "performance" des einzelnen.
 
4 Wertecocktail statt starrem Wertekanon.
Kleine Brötchen statt großer Entwürfe. Patchwork. Kurze Halbwertzeit von Autoritäten, Publizität, Wissen, Geistesideen. Untauglichkeit statischer Vorbilder. Wertlosigkeit aufgeschobener Belohnungen im unklaren Planungsrahmen.
Wertevielfalt / -inflation. Inmitten widersprüchlichster Erwartungs- und Anspruchshaltungen muss sich der einzelne bedarfsgerecht und situationsgemäß und in Eigenregie seinen Cocktail aus Lebenszielen und Wertorientierungen mixen - auf Vorläufigkeit. Auch hier: Subjektivierung -Handlungsentscheidungen und Werturteile entfalten sich auf der Basis der subjektiven Gegebenheiten und Befindlichkeiten;
Wertentscheidungen sind nicht durch von außen gesetzte Erwartungen, sondern durch innere Bedürfnisse in Reaktion auf sich wandelnde Lebenslagen bestimmt.
 
5 Spaß macht, was Sinn hat. weitere Ausdifferenzierung von Lebenslagen und Partizipations-Chancen, Aufbrechen von ehedem stabilen, in sich relativ geschlossenen sozialen Milieus. Schere zwischen biografischen "High-potentials" (mit hohen "Persönlichkeitsressourcen". z.B. Bildungsniveau, Selbstvertrauen, biografischer Zielklarheit und Gestaltungskompetenz) und biografischen "Low-potenlials" (mit niedrigen "Persönlichkeilsressourcen") gehl weiter auf Auswirkungen auf Image, Attraktivität und biografische Relevanz von Berufsfeldern, die "in der Mitte" der Schere liegen. So stehen z.B. der rückläufigen Nachfrage im Handwerk Zuwächse in den Freien Berufen, in Industrie und Handel sowie im öffentlichen Dienst gegenüber. Jenseits des Laufrades das machen, was Spaß macht. Gegengewichte statt Gegenentwürfen: Jugendkulturen / Freizeit / Freundschaften dienen der Regeneration: Abgrenzung und Abschalten.
 
6 neue Konzepte sind gefragt, die sich orientieren an den Lebenssituationen und biografischen Bedürfnissen junger Menschen. Erziehung und Bildung als Schnellstraße mit Gegenverkehr. Ratgeberwirkung von Erwachsenen nur noch sehr begrenzt, Vorbereitung der Nachfolger ohne Ziel. weil die großen Entwürfe gescheitert sind und unersetzt bleiben und weil die Innovationsschnelligkeit den Großvater erschlägt, der Enkel programmiert schon mal den Videorecorder.