20. November 2002

 

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Helmut Himmelsbach
Oberbürgermeister 
Stadt Heilbronn

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Begrüßung

Meine Damen und Herren, ich darf Sie alle zu unserem "Symposium II -Zukunft der beruflichen Bildung" begrüßen, insbesondere die Damen und Herren Mandatsträger, Schulleiter, Lehrer, Unternehmer, Ausbilder, Eltern, Schüler, Interessenvertreter, Referenten, Organisatoren, Helfer und die Medien.
Es ist außergewöhnlich, dass ein Schulträger die Veranstaltung eines Berufschulsymposiums übernimmt. Die Stadt Heilbronn hat mehrere Gründe dafür.
Zum einen wollen wir mit dieser Veranstaltung Leistungen in Aus- und Weiterbildung anerkennen und Dank sagen.

Deshalb gilt der erste Gruß den Schülerinnen und Schülern. Wir haben heute nur Schülersprecher eingeladen, weil es selbst in dem neuen Kongresszentrum "Harmonie" logistisch nicht möglich ist, alle rund 12.000 Schülerinnen und Schüler an den beruflichen Schulen des Stadt - und Landkreises Heilbronn unterzubringen. Ein besonderer Gruß gilt Ihnen, den Eltern. Ihre Bemühungen, sich in guten und in schwierigen Zeiten Ihrer Kinder anzunehmen, ihnen Rat, Unterstützung und auch Trost zu geben, all das hat wesentlichen Anteil an deren Leistungen.

Ich bin mir auch bewusst, welch hohen Anteil die Ausbilder in den Betrieben und die Lehrer der beruflichen Schulen an der Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen haben. Wir brauchen Sie - auch wenn der französische Schriftsteller André Gide geschickt formuliert, dass ein guter Lehrer nur eine Sorge hat: zu lehren, wie man ohne ihn auskomme.
Für diesen Einsatz, Ihre Bereitschaft und Ihr Vorbild will ich Ihnen danken.

Heute ist Bildung, meine Damen und Herren, ein wichtiger Standortfaktor! Und der Erfolg unseres Ausbildungssystems hängt wesentlich davon ab, ob sich die Inhalte der Ausbildungsberufe auch mit dem Bedarf der Unternehmen decken.

Ein zentrales Thema ist daher die berufliche Ausbildung im Wandel unserer Gesellschaft und der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung.

Die Unternehmen müssen sich durch Umstrukturieren und Umorganisieren konsequent darauf ausrichten. Unsere Firmen und gerade die mittelständischen Unternehmen unserer Region reagieren schnell und flexibel und passen sich den Umständen, weltweiten Entwicklungen und Wettbewerb an.

Die große Herausforderung besteht in der Frage, ob es uns gelingt, die für diesen Wandel dringend benötigten Menschen, Fach- und Führungskräfte zu finden und heranzubilden. Und ob das uns zur Verfügung stehende Instrumentarium hierzu geeignet ist.

Sind wir in unserer Ausbildung so konsequent und beweglich?

Gelingt es uns, Ausbildungsinhalte, Zielrichtungen und Akzente schnell und kurzfristig auf neue Entwicklungen umzustellen?

Sind die Akteure in diesem Aufgabenkreis, die Betriebe, die Schulen, die Bildungspolitik in der Lage, die Rahmenbedingungen zu schaffen?

Die positive Zusammenarbeit von Betrieben, Berufsschulen, Bildungsträgern und Kammern ist in unserer Region Heilbronn-Franken besonders intensiv. Es hat sich viel Positives getan in den letzten Jahren. Dafür bin ich dankbar.

Wir alle hier im Süden Deutschlands, in Baden-Württemberg und gerade in unserer Region Heilbronn-Franken wissen, dass die Qualifikation unserer Beschäftigten ein zentraler Standortfaktor ist. Es ist schon lange her, dass Mark Twain mit stolzer Brust sagen konnte: "Ich habe mir nie meine Erziehung durch Schulbildung verderben lassen."

Die Zukunft gestaltet die Jugend von heute und morgen, sie liegt in den Händen der Jungen und Mädchen, die aus der Schule kommen, um ins Berufsleben zu starten und in den Händen der jungen Fachkräfte, die die berufliche Ausbildung durchlaufen haben.

Welche Situation findet die Jugend beruflich im Standort Heilbronn vor ?

Die ökonomischen Strukturdaten könnten einen positiv stimmen: Mit 20 Prozent Bevölkerungszuwachs seit 1987 steht die Region Heilbronn-Franken an der Spitze aller 12 Regionen im Land Baden-Württemberg. Auch in Sachen Arbeitsmarkt hat die Region Heilbronn-Franken mit einem Zuwachs von nun 14,6 Prozent die führende Position inne.

Allein im Stadtkreis Heilbronn haben wir 61.133 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in über 6000 Betrieben, insgesamt gibt es rund 74.000 Arbeitsplätze.
Positiv ist festzustellen, dass die Stadt Heilbronn beim Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem im Kreisvergleich hinter dem Landkreis Böblingen auf Rang 2 aller baden-württembergischen Kreise noch vor Stuttgart liegt.

Meine Damen und Herren, vor dem Hintergrund dieser positiven Daten sei betont, dass auch die Stadt Heilbronn auf dem Schulsektor nicht untätig ist.

Zu unseren Zukunftsinvestitionen gehört nicht nur die Stadtbahn, das Theaterforum K3 oder die Sanierung der Fußgängerzonen, sondern natürlich auch der Schulbau. Seit 1996 hat die Stadt 37,5 Millionen Euro in schulische Bauten gesteckt.
Die Bedeutung des Themas unterstreicht der Umstand, dass die Stadt Heilbronn nach Stuttgart der zweitgrößte Schulträger im Oberschulamtsbezirk Stuttgart ist. In Heilbronn gibt es 36 allgemeinbildende Schulen mit circa 15.271 Schülerinnen und Schülern; außerdem drei berufliche Gymnasien und fünf berufliche Schulen mit 12.603 Schülerinnen und Schülern.

Meine Damen und Herren, die Stadt Heilbronn hat in den vergangenen Jahren einige wichtige Weichen gestellt.

Denn der Übergang zur Informations-, Kommunikations- und Dienstleistungsgesellschaft muss vor allem in der beruflichen Ausbildung vollzogen werden. Der Ausstattungsstandard unserer beruflichen Schulen ist deshalb schon in den
letzten Jahren von uns deutlich verbessert worden.

Mit der Neuaufteilung der schulischen Aufgaben zwischen Stadt- und Landkreis ist eine Strukturreform für alle beruflichen Schulen verbunden.

So wird durch den Neubau eines Kreisberufschulzentrums in der Bahnhofsvorstadt - voraussichtliche Fertigstellung: August 2005 - der Landkreis vor allem die städtischen Schulen deutlich entlasten. Dies hatte für uns zwei wichtige Folgen:

Wir mussten das Raumprogramm für den Erweiterungsbau der Gustav-von-Schmoller-Schule überprüfen, bevor mit dem rund 9 Millionen Euro teuren Bau im Sommer 2001 begonnen wurde. Im Frühjahr 2003 soll er nun bezugsfertig sein.

Zum andern wird die neue Kreisberufsschule vor allem das Technische Schulzentrum an der Paulinenstraße ab dem Schuljahr 2005/06 deutlich entlasten. Auf den ursprünglich geplanten Erweiterungsbau für das Technische Schulzentrum mit rund 4000 m2 Programmfläche kann deshalb in dieser Dimension verzichtet werden. Der tatsächliche Erweiterungs- und Ergänzungsbedarf wird derzeit ermittelt.

Auch sind noch Grundstücksarrondierungen sowie Umbauarbeiten und Gebäudesanierungen im Bereich des Schulzentrums notwendig. Derzeit laufen Gespräche mit dem Oberschulamt Stuttgart und den Schulleitungen, um die notwendigen Maßnahmen zu konkretisieren.

Und nun zur ganz aktuellen Situation - und damit meine ich die Finanzsituation, wie sie sich uns seit einigen Wochen ganz ungeschminkt darstellt.

Wie Sie der Presse entnommen haben, bestehen bei uns große Probleme, den Verwaltungshaushalt auszugleichen - es fehlen aufgrund abstürzender Gewerbesteuernahmen, höheren Soziallasten und teuren Vorgaben von Bund und Land 17 Millionen Euro. Und damit ist vermutlich noch nicht einmal das Ende der Fahnenstange erreicht.

Und da wir die Einnahmen nicht beliebig steigern können, heißt es für uns: sparen, sparen, sparen. Und das ganz konkret und konsequent: eine Haushaltsstrukturkommission wird in den nächsten Monaten unseren Etat nach Einsparmöglichkeiten durchforsten - hier wird es keine Tabus geben.

Ich weiß, dass der Schulhaushalt wegen der schon damals schwierigen Finanzlage zwischen 1994 und 1999 erheblich gekürzt wurde und nur die vergangenen zwei Jahre einen gewissen Lichtblick boten. De facto ist im Bereich Bauunterhaltung der Schulen seit 1994 ein Antragsstau entstanden. Dazu kommen Erkenntnisse aus einer im Jahr 2002 durchgeführten flächendeckenden Brandverhütungsschau. Das Ergebnis lässt sich noch nicht genau beziffern, geht aber ebenfalls in die Millionen.

Meine Damen und Herren, diese trostlosen Daten kann ich uns leider nicht ersparen, sie sind neben positiven regionalen Strukturdaten eben auch ein Teil unseres Handlungsrahmens. Aber Sie müssen davon wissen, denn dies verändert unsere gemeinsame Situation so dramatisch, dass ich selbst noch nicht weiß, wie wir damit umgehen werden.

Ich habe mir nicht gewünscht, dass unser Thema "Zukunft der beruflichen Bildung" diesen Drive erfährt und hätte Ihnen lieber die Eckdaten eines neuen Schulinvestitionsprogramms verkündet.

Wichtig ist für Sie zu wissen: Die Anliegen der Schulen sind berechtigt. Und sie sind bei der Verwaltung bekannt. Stärker noch als je zuvor sind jetzt Fantasie und Kreativität aller gefragt. Neben unseren eigenen Überlegungen und Erkenntnissen werden wir von anderen lernen müssen. Stärker als je zuvor gilt auch in diesem Bereich der Spruch des amerikanischen Philosophen Ralph Emerson: Ausbildung heißt, das zu lernen, von dem du nicht einmal wusstest, dass du es nicht wusstest. Auch dazu soll der heutige Tag dienen: weiße Flecken in unserem Wissen zu beseitigen.

Meine Damen und Herren, zu Beginn unseres gemeinsamen Tages hatten wir einen ökumenischen Morgenimpuls. Dafür danke ich den Herren Schuldekanen Ruhl und Brunner.

Wir werden heute von Schülern, Lehrern, Eltern und Ausbildern hören, wie sie berufliche Schule erleben. Vielleicht werden wir hören, dass wir Mitarbeiter brauchen, die gelernt haben selbständig Fragen zu stellen, die gelernt haben Probleme zu lösen und nicht stillsitzen wie Schüler im Frontalunterricht.

Wir werden aus berufenem Munde hören, wie es um die Jugend in Deutschland steht. Ich begrüße dazu ganz herzlich Frau Dr. Yvonne Fritzsche.

Mit Herrn Klaus Lorenz, Ministerialdirigent im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport begrüße ich den Vordenker im Land zum Thema: "Berufliche Schule". Man weiß heute, dass eine "soziale Einheit" aus maximal 120 bis 150 Personen besteht. Allein im Technischen Schulzentrum an der Paulinenstraße haben wir zur Zeit 5.221 Schülerinnen und Schüler. Vermutlich werden wir heute davon hören wie "operativ eigenständige Schule" künftig damit umgehen wird.

Lieber Herr Augenstein, ich möchte Sie heute mit dem Ehrentitel "Mister Aus- und Fortbildung der Region Heilbronn - Franken" auszeichnen. Ich kann mir keinen Berufeneren vorstellen, der ein Resümee ziehen wird zu "Ausbildungs-modelle und ihre Bewährung".

Zusammen mit Herrn Landrat Klaus Czernuska und Herrn Vorstandsvorsitzenden Hans Hambücher von der Sparkasse Heilbronn vertrete ich den Vorstand der Sparkassenstiftung Heilbronn, von der auch schon viele Schulen profitieren konnten. So danke ich der Sparkassenstiftung Heilbronn für die namhafte Unterstützung unseres heutigen Symposiums. Mit Hilfe der Stiftung wurde es möglich, dass wir Sie alle zum Imbiss einladen können.

So gestärkt begrüßen wir heute Nachmittag unsere Gäste aus Dänemark, Finnland, Frankreich, Niederlande und der Schweiz. Alle Vertreter kommen aus Partnerschulen unserer Stadt- und Landkreisschulen. An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich den Personen und Institutionen danken, welche diese Besuche finanziell ermöglichen und unseren Freunden Gastfreundschaft gewähren.

Mit Sicherheit werden wir einiges von unseren Nachbarn lernen können. In schwedischen Schulleben gibt es ein geflügeltes Wort: "Jedes Kind hat drei
Lehrer: andere Kinder, seine Lehrer und den Raum in dem es lebt." Vielleicht werden wir heute hören, dass wir bald gar keine Schulgebäude mehr brauchen: Waldkindergärten und überbetriebliche Ausbildungsstätten haben wir ja schon.
Nach soviel Wissen soll uns ein "Crashkurs Halbwissen", ein kabarettistisches Theaterstück, von den Brettern, die die Welt bedeuten, auf "den Boden der Tatsachen" zurückholen.

Ich wünsche uns einen guten Verlauf des Symposiums und Ihnen, unter den Fittichen der Stadt Heilbronn, ein paar ansprechende Schulstunden im doppelten Sinne des Wortes.